

Intelligente, anpassungsfähige Anzeigekonzepte im LKW
Das Förderprojekt SALSA
Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Forschungsprojekt SALSA („Smarte, Adaptive und Lernbare Systeme für Alle“) hat zum Ziel, die Sicherheit und Effizienz des zukünftigen Mischverkehrs zu erhöhen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung von Technologien und Konzepten, die eine reibungslose Interaktion innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs ermöglichen. Ein Kernaspekt ist hierbei die Anpassungsfähigkeit der Interaktionstechnologien an unterschiedliche Situationen und Bedürfnisse der Nutzenden. Dies ist besonders relevant für Lkw-Fahrende, denn deren Arbeitsumfeld stellt spezielle Anforderungen an Anzeige- und Bedienkonzepte.
Herausforderungen im Lkw – Adaptivität als Lösung?
Lkw-Fahrende sehen sich einer steigenden Anzahl von Herausforderungen gegenüber, darunter der stressige Arbeitsalltag mit allgegenwärtigem Zeitdruck sowie komplexe Mensch-Maschine-Schnittstellen im Fahrzeug mit zahlreichen Anzeige- und Bedienelementen. Der Umfang dieser Interaktionselemente soll laut Prognosen sogar weiterhin ansteigen. Eine mögliche Lösung, um diesen Herausforderungen zu begegnen, sind adaptive Mensch-Maschine-Schnittstellen (engl. Human Machine Interface, HMI). Solche Schnittstellen ermöglichen eine flexible Anpassung an die verschiedenen Bedürfnisse Nutzender und an die unterschiedlichen Situationen, in denen diese sich befinden. Dadurch kann die Gebrauchstauglichkeit (engl. Usability) verbessert werden, denn eine adaptive Bereitstellung von Funktionen und Anzeigen je nach aktuellen Bedürfnissen der Nutzenden ist oft effizienter als eine statische Anzeige. Auch lässt sich das Nutzungserlebnis (engl. User Experience, UX) steigern. Nicht zuletzt konnten im Pkw bereits positive Auswirkungen sich anpassender Anzeigen auf die Sicherheit nachgewiesen werden, beispielsweise durch eine Reduktion der Ablenkung im Straßenverkehr. Somit zeigt Adaptivität einen Weg auf, wie sich die Mensch-Maschine-Interaktion auch im Lkw verbessern lassen kann.
Genau hier setzen wir in Kooperation mit der MAN Truck & Bus SE an, denn bisher wurde noch nicht ausreichend an Adaptivität im Nutzfahrzeug geforscht. Daher soll untersucht werden, an welchen Stellen anpassungsfähige Systeme die Lkw-Fahrenden unterstützen können und wie diese gestaltet werden sollen.
Vorgehen im Projekt SALSA
Hierzu wird ein iterativer Prozess verfolgt, um ein adaptives Anzeige- und Bedienkonzept für den Lkw zu gestalten. Ausgangspunkt war eine umfassende Analyse der Nutzenden und des Nutzungskontexts. Durch Fokusgruppen mit Lkw-Fahrenden sowie mit HMI-Expert:innen wurden Anwendungsfälle und Anforderungen identifiziert. Besonders hervorgehoben wurde die hohe Komplexität der HMI-Bedienung. Diese spiegelt sich in der mehrstufigen Menüstruktur, dem breiten Funktionsspektrum und dem hohen technischen Anspruch wider. Fahrer:innen berichteten, dass Funktionen schwer auffindbar seien oder aufgrund komplizierter Menüführung ungenutzt blieben. Eine mögliche Lösung sehen Expert:innen und Fahrer:innenin in personalisierten Einstellungen und Vorschlägen, um die Bedienung effizient so zu gestalten, dass sie perfekt auf die jeweiligen Nutzenden zugeschnitten ist.
Die Umsetzung adaptiver HMI im Lkw bringt nach Ergebnissen der Fokusgruppen jedoch auch Herausforderungen mit sich. Besonders hervorzuheben sind die Bedenken hinsichtlich Kompetenzverlagerung, die in allen Fokusgruppen betont wurden. Fahrer:innen äußerten die Sorge, durch zu intelligente Systeme bevormundet zu werden. Expert:innen unterstrichen die Notwendigkeit, den Nutzenden stets die Kontrolle über adaptive Funktionen zu lassen.
Daher wurden im nächsten Schritt auf Basis dieser Analysen erste Prototypen erstellt. Diese werden aktuell in steigenden Reifegraden im Fahrsimulator hinsichtlich der beschriebenen Aspekte evaluiert. Hierbei liegt zum Einen ein starker Fokus auf der Akzeptanz, um herauszufinden, wie personalisierte Vorschläge gestaltet sein müssen, um einen Mehrwert zu bieten. Zum Anderen erfassen geeignete Metriken die Ablenkung mittels Eyetracking. So soll in einem iterativen Prozess das Konzept weiterentwickelt werden, um eine bestmögliche Unterstützung der professionellen Berufskraftfahrer:innen zu gewährleisten. In der letzten Projektphase wird das entwickelte Konzept in einer Realfahrzeugstudie über mehrere Wochen hinweg erprobt.